Mabrouk (Gesegnet)

Mabrouk (Gesegnet)

Während meines Studiums wohnte ich in einem Haus mitten in einer Gasse der Altstadt von Damaskus. Jeder Besucher musste durch verwinkelte, labyrinthartige Gänge gehen, die sich alle ähnlich sahen. Oft verloren sich Freunde in diesen engen Gassen und riefen mich an, damit ich sie telefonisch zum Weg leitete. Manchmal musste ich sogar selbst hinausgehen, um sie abzuholen. Einmal zeichnete ich Pfeile an die Wände vom Eingang der Nachbarschaft bis zum Haus, doch selbst dann verirrten sich manche von ihnen in diesem Labyrinth.

Eines Tages erhielt ich einen Anruf von meiner Familie aus mein Heimatstadt Hama. Sie erzählten mir, dass Mabrouk am nächsten Tag nach Damaskus reisen würde, um einige medizinische Untersuchungen in der Universitätsklinik durchzuführen. Sie baten mich, ihm dabei zu helfen. Wir vereinbarten, dass sie ihm meine Nummer geben würden, damit er mich bei seiner Ankunft in Damaskus anrufen konnte.

Mabrouk ist ein Mann in seinen Vierzigern, doch geistig und seelisch wirkt er eher wie ein kleines Kind. Man sagt umgangssprachlich, er sei ein Mann, der auf das Schicksal vertraut – ein einfacher, ungebildeter Mann, der weder lesen noch schreiben kann. Er ist ein Waisenkind, wie ein Zweig, der von seinem Baum abgebrochen wurde, und eigentlich wusste niemand viel über ihn.

Er lebte bei einer Familie, die wir kannten. Er half ihnen im Haushalt und kümmerte sich um ihren Garten. Im Gegenzug versorgten sie ihn mit Essen, gaben ihm ein Zimmer im Gartenhaus und kümmerten sich um ihn.

Am nächsten Tag wartete ich auf einen Anruf von Mabrouk, um ihn vom Busbahnhof abzuholen. Während ich zuhause wartete, hörte ich plötzlich die Türglocke. Ich öffnete die Tür und da stand Mabrouk.

Ich schaute ihn überrascht an und fragte: „Wie hast du den Weg zum Haus gefunden?“Ich schaute ihn überrascht an und fragte: „Wie hast du den Weg zum Haus gefunden?“

Mabrouk antwortete: „Letztes Jahr bin ich mit deinem Vater hierher gekommen und habe dir damals beim Putzen geholfen, erinnerst du dich nicht?“

„Stimmt, aber das war nur einmal!“

„Wie oft braucht ein Mensch, um sich einen Weg zu merken?“

„Das kommt auf den Weg an – und das hier ist kein gewöhnlicher Weg, das ist ein Labyrinth.“

Mabrouk lächelte gelassen: „Das ist doch ganz einfach. Warum bist du überrascht?“

„Ehrlich gesagt wundere ich mich, dass du die Haustür gefunden hast, während Universitätsstudenten, Intellektuelle und angehende Ärzte sich hier mehrfach verlaufen haben.“

Mabrouk lachte und sagte: „Gott helfe euch, ihr Gebildeten. Eure Köpfe sind voll von Gedanken und Informationen, und ihr habt keine Zeit, euch um so einfache Dinge zu kümmern. Ich dagegen habe einen leeren Kopf, einen freien Geist, und genug Platz, mich auf solche Dinge zu konzentrieren.“

Als ich das hörte, wünschte ich mir, ich könnte meinen Geist von all seinen Gedanken, Erinnerungen und Informationen befreien, ihn neu formatieren und alle Gigabyte löschen. Ich wollte das Leben sehen – wenigstens für einen Moment – so, wie es Mabrouks Augen sehen.

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